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«Dem Menschen sind in seiner Vorstellung keine Grenzen
 
gesetzt ausser denen, die er sich selbst setzt
 
Richard F. Estermann

SPORT: Training und Wettkampf

SPORTNach den sportlichen Gross-Ereignissen der vergangenen Monate wollen sich viele Athleten für zukünftige Wettkämpfe besser vorbereiten. Im Mittelpunkt steht dabei das Abrufen der maximalen Trainingsleistungen im Wettkampf. Das grösste Problem ist nämlich immer noch für viele Sportlerinnen und Sportler das Erreichen der optimalen Leistung bei einem wichtigen Wettkampf.

Um was geht es? Das Phänomen ist allgemein bekannt und RIO 2016 hat es wieder in aller Deutlichkeit gezeigt: Viele Sportler können die im Training erzielten Leistungen an einem grossen Wettkampf nicht umsetzen. Man spricht in diesem Fall etwas despektierlich von einem „Trainingsweltmeister“. Das Phänomen ist unabhängig von einer Sportart, weltweit immer wieder zu beobachten. Das Erstaunliche dabei ist die Tatsache, dass sich der Sportler oder die Sportlerin ihr Versagen nicht erklären können. Sie finden keinen plausiblen Grund, warum sie ihre Leistung, welche sie doch im Training oft spielend erreichten, nicht abrufen konnten. Einige Athleten sind darüber erstaunt, andere schwer enttäuscht.

Training und Wettkampf sind in der Tat zwei ganz verschiedene Ereignisse. Das Training ist planbar und findet meistens in einer vertrauten Umgebung statt. Das verleiht dem Sportler Sicherheit und Geborgenheit. Im Wettkampf hingegen sind Ort und Zeit nicht planbar. Dazu kommen Konkurrenten, Zuschauer, die eigene Erwartungshaltung und diejenige des Trainers, der Angehörigen, des Umfeldes. Und man ist mit sich allein. Unbewusste Ängste und Selbstzweifel kommen hoch - die Angst vor einer Niederlage oder dem Versagen steht wie ein Gespenst im Hintergrund...

Die Ursache des Problems liegt allein im mentalen Bereich. Der Sportler steht sich sozusagen selbst im Wege denn wir wissen: Die mentale Stärke eines Athleten zeigt sich ganz besonders in kritischen und schwierigen Wettkampf-Situationen. Für diese Situationen wollen wir gewappnet sein! Zum Glück gibt es heute bewährte Strategien, um den erwähnten Teufelskreis zu durchbrechen und sich von negativen Verknüpfungen zu lösen.

Bilanz der Olympiade von Rio 2016

USAIN BOLTDas olympische Feuer ist erloschen, RIO 2016 Geschichte. Rund 10'000 Sportler aus über 200 Nationen kämpften in 306 Bewerben um Medaillen. Für viele Fernsehzuschauer war das Ganze etwas zu viel und nur wenige hatten am Schluss überhaupt noch den Überblick.

Welche herausragenden Leistungen,- aber auch Enttäuschungen bleiben für mich in Erinnerung? Sicher sind es auf der positiven Seite der US-Schwimmer MICHAEL PHELPS mit seinen 23 Goldmedaillen und der Jamaikaner USAIN BOLT, der zum dritten Mal über 100m, 200m und mit der 4x100m- Staffel bei Olympia siegte. Beide Erfolge kann man ohne Übertreibung als einmalig bezeichnen. Weiter die phantastischen Leistungen der US-Sprinterin ALLYSON FELIX und die unglaublichen Darbietungen der amerikanischen Turnerinnen, welche alles bis dahin Gebotene in den Schatten stellten. Die allergrösste Sensation an dieser Olympiade, brachte aber für mich aber das Rugby- Turnier. Weder Neuseeland, England, Australien, Südafrika oder eine andere „Rugby-Nation“ gewann Gold, sondern die Fidschi- Inseln! Sie schlugen im Finale England haushoch mit 43 zu 7! Die Begeisterung im Land war riesig, denn es gab die erste Goldmedaille überhaupt für den Inselstaat und in der Folge stand das Leben dort für einige Zeit still...

Aber es gab auch gewaltige Enttäuschungen, Tränen und echte Tragödien. Athleten, die dem ungeheuren mentalen Druck, den olympische Spiele mit sich bringen, nicht standhalten konnten und am Druck der Medien, der Öffentlichkeit, an ihren eigenen Erwartungen und denjenigen ihrer Landsleute scheiterten. Ich denke etwa an den ehemaligen deutschen Olympiasieger und Weltmeister im Diskuswerfen, ROBERT HARTING der die Finalqualifikation bei weitem nicht schaffte oder an den ebenfalls deutschen Weltrekord-Schwimmer PAUL BIEDERMANN, der im Final kläglich scheiterte. 

Was sind aus Schweizer Sicht die Highlights der Olympiade von Rio? Ein Grossaufgebot von über 100 Athletinnen und Athleten weckte auch grosse Hoffnungen. Doch echte Highlights gab es nach meiner Meinung nicht. Beim Ruderwettbewerb konnte man im „Leichtgewichtsvierer“ aufgrund der bisherigen Leistungen durchaus von einer Goldmedaille ausgehen, ebenso beim Mountainbiker NINO SCHURTER. Doch unter einem echten Highlight verstehe ich den Effort eines Sportlers, der sich in einem derartigen Wettkampf dank mentaler Stärke unerwartet  zu einer absoluten Höchstleistung steigern kann und über sich hinauswächst!

Eine grosse Enttäuschung waren für mich die Fechter. Doch wer den Gegner krass unterschätzt und dazu noch mit einer gewissen Arroganz in den Wettkampf geht, muss sich über eine empfindliche Niederlage nicht wundern. Die grösste Enttäuschung aus Schweizer Sicht war für mich aber TIMEA BACSINSZKY. Trotz vieler Absagen von in- und ausländischen Konkurrentinnen konnte sie die einmalige Chance im Tennis-Turnier von Rio nicht nutzen und schied frühzeitig aus. Schlussendlich gewann die fast unbekannte MONICA PUIG aus Puerto Rico das Damen-Einzel und damit das erste Olympiagold überhaupt für ihr Land! Und im Doppel- Finale, vor fast leeren Zuschauer-Rängen, hat TIMEA BACSINSZKY leider die in Griffnähe liegende Goldmedaille ebenfalls verloren...

Die olympischen Spiele in Rio haben wieder in aller Deutlichkeit gezeigt wie wichtig es ist, Athletinnen und Athleten in mentalen Techniken zu unterrichten und auf wichtige Wettkämpfe vorzubereiten. In dieser Richtung werden wir auch in Zukunft weiterarbeiten.

Der Medaillenspiegel von Rio zeigt an der Spitze das erwartete Ergebnis:

  Gold Silber Bronze
USA 45 37 38
England 27 23 17
China 26 18 26
Russland 19 18 19
Deutschland 17 10 15
Japan 12 8 21

Es ist nicht zu übersehen, dass die Spitze immer breiter wird. Laufend erscheinen bei wichtigen Wettkämpfen neue Staaten in der Rangliste. Und so wird auch mit Sicherheit die nächste Olympiade in Tokio für jeden Sportler wieder eine echte Herausforderung! 

PETRA LUSTENBERGER: Bronzemedaille an der EM in Györ!

Petra LustenbergerDie intensive, mentale Zusammenarbeit hat sich gelohnt: PETRA LUSTENBERGER holte an den Luftgewehr-Europameisterschaften in Györ/Ungarn die Bronzemedaille! Bekanntlich genügen allein Technik und Können in einer Sportart nicht, um wirklich erfolgreich zu sein. Entscheidend ist letztlich die mentale Stärke eines Athleten oder einer Athletin.

PETRA LUSTENBERGER hat in den letzten Monaten gewaltige Fortschritte gemacht und ihr „mentales Kostüm" entscheidend verbessert. Für einen derart wichtigen Wettkampf, wie es Europameisterschaften darstellen gilt es, die Herausforderung anzunehmen, sich für das Ereignis richtig vorzubereiten und die mentalen Stärken optimal zu aktivieren.

Mit einer soliden Leistung in der Qualifikation, erkämpfe sich PETRA LUSTENBERGER von 96 Athletinnen aus über 30 Nationen den 6. Platz. Doch im Final der besten 8 Schützinnen Europas, zeigte sich ihre wahre, mentale Stärke: Sie konnte sich enorm steigern! Auch drei nicht ganz optimale Schüsse, konnten die sympathische Rothenburgerin nicht aus dem Konzept bringen. Sie eliminierte ihre Gegnerinnen Schuss um Schuss und belegte zuletzt den dritten Platz! Nur ein einziger Punkt fehlte PETRA LUSTENBERGER und sie hätte um die Goldmedaille gekämpft...

PETRA LUSTENBERGER hat aber in Györ noch ein anderes, sehr wichtiges und begehrtes Ziel erreicht: Ein Quotenplatz für die olympischen Spiele in Rio 2016! Damit schlug sie „Zwei Fliegen auf einen Streich!". PETRA reist nun direkt weiter zu einem Weltcup-Wettkampf nach Bangkok und kann sich jetzt - voll motiviert - auf auf das nächste Grossereignis vorbereiten: OLYMPIA 2016 in RIO!

Mental stark: PETRA LUSTENBERGER (Schiessen)

Petra LustenbergerDas mentale Training ist heute im Sport nicht mehr wegzudenken. In einigen Sportarten wie Tennis oder Golf, spielt es eine entscheidende Rolle. Aber auch in der Leichtathletik, bei Kampfsportarten und in vielen anderen Bereichen, kommt den mentalen Techniken eine enorme Bedeutung zu. Und ganz besonders im Schiessen!

Um absolute Spitzenleistungen im Schiessen zu erbringen ist nicht nur eine möglichst perfekte Technik notwendig, sondern es sind auch ganz spezielle, mentale Vorbereitungen zu treffen.

Eine Ausnahmeathletin in dieser Sportart, ist die 25-jährige PETRA LUSTENBERGER aus Rothenburg/LU. Dank intensiver Tätigkeit im mentalen Bereich, erzielte sie innerhalb eines Jahres enorme Fortschritte. Die sympathische junge Frau ist engagiert, trainingsfleissig und sehr motiviert. Obwohl sie im persönlichen Umgang sympathisch und bescheiden auftritt, ist PETRA LUSTENBERGER trotzdem ausserordentlich zielstrebig und ihre Erfolge können sich sehen lassen:

1. Platz an den Zentralschweizermeisterschaften im Luftgewehr-Dreistellungswettkampf. Sie liess die gesamte Männerwelt hinter sich...

1. Platz und damit SCHWEIZER MEISTERIN im Kleinkalieber-Dreistellungsmatch (Königsdisziplin)

Nun wurde die ambitionierte Athletin vom „Schweiz. Schiesssportverband" (SSV) bereits für die Luftgewehr- Europameisterschaft in Györ/Ungarn nominiert.

Das ganz grosse Ziel von PETRA LUSTENBERGER sind natürlich die olympischen Spiele in Rio! So oder so hat sie noch eine tolle Zukunft vor sich, denn sie besitzt alle Voraussetzungen für eine internationale Karriere. Ich drücke ihr beide Daumen!

Ihre Webseite: www.petralustenberger.ch

Vorbereitung auf Olympia 2016 in RIO

Rio 2016Die Vorbereitung auf ein sportliches Grossereignis, wie sie eine Olympiade heute darstellt, beginnt nicht erst einige Tage vor dem Abflug. Wie in meinem Buch „SPITZE IM SPORT" bereits dargestellt, setzen sich Athleten kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele. Letzteres gilt für olympische Spiele. Je wichtiger ein Sportereignis ist, desto länger die mentale Vorbereitungszeit. Bei olympischen Spielen beginnt sie also in der Regel vier Jahre vor dem Ereignis.

Momentan bereite ich einige Athleten und eine Athletin aus verschiedenen Sportarten mental auf Olympia 2016 in RIO vor. Grundsätzlich geht es bei Athleten in erster Linie darum, die Technik einer Sportart weiter zu entwickeln und zu optimieren. Aber technisches Können allein genügt bekanntlich nie, um wirklich erfolgreich zu sein. Wir müssen uns auch auf das „emotionale Gewicht" einer derartigen Sport- Grossveranstaltung vorbereiten. Und die mentale Vorbereitung ist dabei von entscheidender Bedeutung. Ziel unserer Vorbereitungen ist es, genau zum richtigen Zeitpunkt in Topform zu sein, um eine absolute Höchstleistung zu erbringen! Denken wir an die Tatsache:

Olympiasieger wird nicht zwangsläufig der aktuelle Weltmeister oder Weltrekordinhaber sondern derjenige dem es gelingt, an diesem Wettkampftag und unter den gegebenen Bedingungen die beste Leistung zu erbringen!

Dieses Ziel können wir nur durch eine entsprechende Vorbereitung und durch eine effektive Zielprogrammierung erreichen. Die Teilnehmer sollen sich vor dem Abflug nach Olympia sagen können:

„Ich weiss, dass ich optimal vorbereitet und sehr stark bin. Ich werde mein Ziel erreichen!"